Deine Augen fressen mich einfach auf. Sie sind so blau, dass der atlantische Ozean vor Neid erblasst. Stück für Stück zerkauen sie einfach mein unsicheres Gesicht, beißen ein Stück der Nase ab, einen Teil der Lippe, sie kauen eine neue Delle in mein Kinn. Ich kann fast die Zahnabdrucke spüren, wenn Du mich ansiehst, lange, durchdringend. Wenn Du Deinen Blick abwendest, fühle ich mich wie Frankensteins Werk, ein neuer Mensch, zusammengesetzt, hässlich, unvollkommen. Nicht ganz.
Wir sitzen im Café. Um uns herum sprechen Fremde. Du schaust auf die Straße und malst wirre Linien auf Dein Glas. Ich sollte es Dir sagen. Doch meine Frankensteinlippe traut sich nicht. “Du bist der Erste”, will sie sagen. Ich seufze ganz leise. Du schaust mich wieder an, erzählst von einer neuen Party, mein angefressenes Gesicht versucht, konzentriert zu sein, aber von meiner Augenbraue fehlt gefühlt ein Stück. Du zwirbelst an einer lässigen Haarsträhne und lächelst, als könnte Dich nichts erschüttern. Du frisst sogar meine Atemzüge.
Ich zähle leise, warte, bis sich mein unruhiger Atem stabilisiert. Ich sollte Dir sagen, dass ich mich verliebt habe, Das alte Leben in mir ist verschwunden. Ich sitze einem blonden Mann gegenüber, der meine Visage zerlegt und meine Luft zum Atmen abschneidet.
Ich setze an. “Ich…” Du unterbrichst mich. Die Zeit ist gegen uns, Du musst zur Vorlesung. Und ich bleibe zurück, mit Deinen blauen Augen in meinem unbeholfenen Monsterhirn.
