Zwei-tausend-acht-zehn. Die Zahl klingt immer noch verheißungsvoll, endlich ist sie weder magisch, noch märchenhaft, keine Sieben. Keine Drei. Keine Dreizehn, vor der alle erzittern oder himmelhoch jauchzen, Glück oder Pech. Kein Zauber vorhanden, keine Verheißung in Sicht. Das wird mein Jahr.
Ich werde mich gesund ernähren, von hübsch angerichteten Salaten profitieren, vielleicht vermenge ich meine fleischlose Beilage sogar mit etwas Quinoa, in Berlin isst man das so, vielleicht schiebe ich auch veganes Sushi hinterher. Ich werde mich reinigen.
Ich klinge wie ein Foodblog, aber so ein verheißungsloses, sauberes Jahr, das muss auch mit clean eating gefüllt werden. Ich drucke ein Rezept für Gemüse mit Hirse aus, ich koche, mache ein Foto des Endprodukts. Kein Fleisch mehr. Außerdem sind meine Reste fast aufgebraucht. Nun beginnt ein neues, sauberes Leben.
Ich esse Hirse. Sie schmeckt fürchterlich, ein Essen für kranke Kinder. Außerdem regt sich ein beißendes Gefühl, als äße ein Wurm meine Innereien. Etwas windet sich durch mich hindurch. Nagt an meiner Speiseröhre. Kratzt an meiner Magenwand. Ein unstillbarer Hunger. Er ist wieder da.
