Die Uhr tickt heute besonders laut. Das Geräusch hämmert in meinem Kopf, reizt die Synapsen. Auf dem Boden der Küche sind braune Flecken. Sie ziehen fast Kreise. Bald tanzen sie bestimmt. Ich stehe vor dem Fenster, es ist launischer April, der zwischen Schnee und Sonne alterniert. Vor dem Fenster eilen Menschen. Das Ticken betoniert weiter meinen Verlust.
Tick-tock. Ich wende mich doch der Spülmaschine zu. Alleine ist der leicht chemische Geruch der Reiniger für mich unerträglich. Mit Dir war er schön, war gemeinsam. Wir stapelten die Teller links, die Müslischüsseln rechts, das Besteck in die alte Schublade mit dem Holzgriff. Mit Dir vergaß ich das Beißen in meiner Nase, das unangenehm heiße Gefühl des frischen Geschirrs. Danach schenktest Du Weißwein ein und wir beobachteten die eilenden Gestalten vor dem Fenster. Du dachtest Dir Geschichten aus, weggelaufene Frauen, verschwundene Briefe, Drogen. Fremde Menschen wurden in Deiner Phantasie neu erfunden und selbst die Spülmaschine war ein Portal. Du maltest Dir aus, dass kleine, warzenbehaftete Trolle darin wohnten und die Reinigungstabs nur zur Tarnung dienten. Deine Imagination war grenzenlos, aber irgendwann war für mich kein Platz mehr darin. Du bist einfach davongeeilt, wie die fremden Menschen vor dem Fenster. Nur noch der Weißwein und der chemische Geruch blieben mir.
Tick-Tock. Ich reiße die Klappe auf. Die Teller warten. Hole den Hammer und zerschlage das Portal. Nun sind die Trolle wirklich tot. Ich kotze Weißwein auf den Boden, nun tanzen die Flecken tatsächlich inmitten der Spülmaschinenbauteile. Morgen räume ich auf. Ganz bestimmt.
