MikroDate

Heute ist der Tag. Ich stehe vor dem Spiegel und blicke in blasse Augen, die Müdigkeit zwinkert mir fast zu, als sie ihren penetranten Walzer in meinen Augenringen tanzt. Ich müsste diese Tanzerei stoppen, Puder auftragen, Kajal und Wimperntusche, ich müsste frischer aussehen, der grauen Suppe vor dem Fenster trotzen, die Frühlingsdekoration aus dem Keller holen, aber dafür bleibt keine Zeit. Du bist schon fast da. Ich muss mich nicht schämen. Du akzeptierst mich, ich muss mich nicht verstellen, du nimmst mich, wie ich bin, mit den Falten und den Spuren des kalten Januars. In Dir löse ich mich fast auf, authentisch, alt und winterlich. Es spielt keine Rolle.

Ich spüre Deine leisen Schritte, meine Nase kribbelt, die Glieder werden schwerer. Bestimmt werde ich mich mit Dir auf das alte Sofa begeben, in fast inniger Umarmung werden wir verschmelzen, heißen Kakao trinken und Katzenvideos schauen. Mit Dir muss ich nicht arbeiten, Du hältst mich fest und lässt mich erst in zwei Tagen los.

Ich spüre Deinen Kuss auf meiner Nase, sie kribbelt erst ganz leicht, dann stärker, wie eine sich steigernde Melodie. Ich niese. Der Hals kratzt wieder. Du bist da. In Deiner Gliederschmerzenumarmung schleppe ich mich ins Wohnzimmer, ich ergebe mich Dir, dem Hustenbonbon und den Katzenvideos. Wir sind eins. Du und ich, mein liebevolles Mikrobendate.

Hinterlasse einen Kommentar