Fast immer hat die Nachbarin dieses Lied gesungen. Das knallrote Gummiboot, mit dem er hinausfuhr, es schmückte meine nocturnen Träume. Ich hörte es durch das offene Fenster, die fast frohlockende, warm hauchende Stimme an einem lauen Sommertag. Ich roch die Sonne nur, meine Zeit war Hausarrest, Mom brachte mir Fleischstückchen mit roter Soße. Sie las mir vor, als könnte der olle Lessing meinen Traum von dieser Sommergummibootstimme ersetzen. Ich stellte mir die Frau vor, ihr eventuelles Gänseblumenkleid und rote Kussmundlippen. Eines Tages, als Mom schlief, öffnete ich die alte Tür. Ich klingelte bei der Gummibootsängerin, sie öffnete, eine blonde, kunstvoll gelockte Strähne begrüßte mich fast, die roten Lippen lächelten überrascht, sie war der pure Sommer mit grünen Augen.
Und die Frau schmeckte besser, als die Fleischkonserven des Bestattungsinstituts. Mom wusste schon, was sie mir vorenthalten hatte und das Gummibootlied hallte noch lange in meinem Kopf.
