Ich setze das Messer an. Die weiße Schneidefläche ist makellos, sie ist ganz neu, fast unschuldig, so, wie es sich für diesen Anlass gehört. Besondere Anlässe erfordern besondere Maßnahmen, ich denke wohl nur noch in Kalendersprüchen, träume nicht dein Leben, lebe deinen Traum. Mit einem neuen Messer.
Ich setze an. Die Haut gehorcht, die weiße Schneidefläche wird rot, sie gleitet einfach hindurch. Ich wusste nicht, dass es so einfach geht. Am Knochen stoppt das Messer und mir wird etwas schlecht, langsam tut es weh, dieses aufgeschnittene, aber nicht abgeschnittene Bein. Es ist immer noch Lockdown, in meinem Knie ist Wasser, es singt ein deprimierendes, blubberndes Scheißlied, ich wollte es nach Wochen einfach nur loswerden. Doch nicht einmal das klappt. Ich lege das Messer mit der nun roten Fläche weg, des Bettlaken ist auch hinüber, der Notarzt wird mich vielleicht auslachen. Mit zitternden Fingern rufe ich ihn trotzdem. Mein Kalenderspruchgehirn läuft auf einmal wieder hervorragend. Wer Schmetterlinge lachen hört, wer weiß, wie Wolken schmecken. Sie schmecken nach Blut. Hoffentlich überlebe ich
