Archiv des Autors: pavotrouge

Friseurwahrheiten

Das Licht ist unerbittlich grell, es ballert in meine Augen, eigentlich wollte ich mich ausruhen, während die Blondierung meine Haare zerstört. Hinter mir reden sie über Politik, die faltige Tante, die mit kalten Händen meine Haare malträtiert, sagt, dass ich grau geworden sei, merci beaucoup, wie soll man denn nicht grau werden?

Der alte Mann hat seine Tirade zu Hitler gewechselt, Hitler und der Rasierapparat, nur noch zwanzig Minuten und das Licht ist grell, gleich reden sie noch über das Wetter, über den Schnee, ein bisschen kurz oben, genau so, jaja, so kalt.

Friseur sei chillig, sagten sie. Und nun: Das Wetter.

Die Nesseln

Die Nesseln sind meine Freunde, sie empfangen mich im kleinen Waldstück neben dem grauen Gebäude. Ich ziehe mich langsam aus, erst die Schuhe, dann die Socken, die Kapuzenjacke. Einen BH trage ich seit Wochen nicht. Dort, wo nur Irre leben, muss man nicht attraktiv sein. Ich setze mich auf den unebenen Waldweg, gleich werde ich meinen Körper beugen, mich für einige Sekunden in die Nesseln legen, fühlen, dass ich nicht nur ein Geist bin, eine unförmige Masse, die sie im Stuhlkreis zu formen versuchen, mit all diesen angeblich heilenden Worten, Tanztherapien und Töpferkursen.

Ich lege mich hinein. Es brennt unfassbar, aber für Sekunden jagt das Adrenalin Leben in meinen Körper. Die Nesseln sind meine Freunde. Ich bin lebendig, schließe die Augen, atme schnell. Ich bin Rausch und Moment.

Als ich meine Augen öffne, blicke ich direkt in das verhärmte Gesicht von Schwester Martha. Es war klar, dass sie mich erwischt. Sie ist ziemlich sportlich, kein Dürrenmatt-Physiker könnte ihr etwas antun. Widerstand ist zwecklos. Ich beiße die Zähne zusammen, ziehe mich langsam an, um das Gesicht zu ärgern – und gehe mit. Nur die Pusteln werden mich erinnern. Die Nesseln waren meine Freunde, aber ich werde wohl mit ihnen niemals gesund.

Wolle ohne Petry

Das Wollknäuel ist von meiner Mutter, aber Ariadne soll denken, dass sie mir die Fäden gab. Wir stehen am Eingang, es sieht jetzt schon bedrohlich aus, am Ende wartet bestimmt der Minotaurus, halb Mensch, halb Stier, wie in den Geschichten meiner Kindheit.

Ariadne, die eigentlich Anna heißt, schaut mich an, ihre grünen Augen zwinkern nervös, ihre Finger verhaken sich kurz in meinen Daumen, sie haucht einen Kuss auf meine Wange, bis gleich, ich schaffe das, das Labyrinth, es wartet. Der Mino wartet, ich werde siegen. Für mein Volk. Für uns.

„Guck mal, Digga, der ist druff. Läuft mit nem Wollfaden durch den Grugapark, hihi.“

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Truly madly deeply

Der Sommer schien endlos, sechs Wochen Freiheit, Naturfreibadgeruch in der Nase, Bikinistreifen, Walkman und Savage Garden, das Knistern der Kassette, Sonnenstrahlen, ganze Welt. An der Badestelle saß ich im Gras, ich war versunken im Wassergeruch, in Gedanken. An Michas Bude standen alle Schlange, Naturfreibadpommes waren frittierte, warme, gelbe Gefühle, Micha grinste den Sommer am Rande der Stadt, fast jedes Mädchen wollte mit ihm Savage Garden hören, I wanna stand with you on a mountain, I wanna bathe with you in the sea. Eines Tages reichte mir eine fremde Frau meine Pommes, sie waren zu weich, zu salzig. Micha war einfach zu seiner kranken Mutter gezogen, flüsterten sie alle, ganz plötzlich war das, nach Ladenschluss, im Dunkeln. In meiner Nase war kalte Luft, meine Atemwege eng, der Sommer vorbei, die Badestelle ein schwarzer Tümpel.

Ich kam nie wieder zurück. Nur die Erinnerung blieb. Truly, madly, deeply

Die weiße Taube

Mit blauem Himmel
und gelber Sonne,
auf grauem Pflaster
der lauten Stadt

saß einfach nur
die weiße Taube,
der Schnabel rosa
die Federn platt.

Ich schlich zu ihr
und fragte leise,
wo denn nun endlich
der Frieden sei.

Sie gurrte kurz
und putzte sich,
als schaue sie
an mir vorbei.

Sie flog hinfort,
ich stutzte leise.
Vielleicht ein Zeichen
Vielleicht auch nicht.

Bin ich ein Mensch
mit einer Meise
Und zu viel Hoffnung
Im Gedicht?

Zitterparty

Ich starre auf das blauschwarze Quadratmuster. Es verschwimmt vor meinen Augen, die Angst hämmert in meinen Schläfen. Ich fahre allein zu einem Konzert, was passiert, wenn ich einfach umfalle? Werde ich zertrümmert, zertrampelt, ein Brei unter den Beats?
Die Quadratmusterbahn hält, auf einmal tragen mich meine zittrigen Füße, Pflasterstein für Pflasterstein. An der Halle skandiert ein halbnacktes Mädchen, der Sänger sei ihre große Liebe, vielleicht fällt es eher um. Die Tür öffnet sich, meine Hände schwitzen, das Herz schlägt Extrasystolen, ich fokussiere den Boden, aber mit den ersten Klängen legt sich ein Schalter um. Aus der Zitterpartie wird eine Party. Ich stehe fest auf dem Boden, bin Licht, Musik, Eskapismus. Nichts kann mich von Samsas Traum trennen.

Kalenderspruchbein

Ich setze das Messer an. Die weiße Schneidefläche ist makellos, sie ist ganz neu, fast unschuldig, so, wie es sich für diesen Anlass gehört. Besondere Anlässe erfordern besondere Maßnahmen, ich denke wohl nur noch in Kalendersprüchen, träume nicht dein Leben, lebe deinen Traum. Mit einem neuen Messer.

Ich setze an. Die Haut gehorcht, die weiße Schneidefläche wird rot, sie gleitet einfach hindurch. Ich wusste nicht, dass es so einfach geht.  Am Knochen stoppt das Messer und mir wird etwas schlecht, langsam tut es weh, dieses aufgeschnittene, aber nicht abgeschnittene Bein. Es ist immer noch Lockdown, in meinem Knie ist Wasser, es singt ein deprimierendes, blubberndes Scheißlied, ich wollte es nach Wochen einfach nur loswerden. Doch nicht einmal das klappt. Ich lege das Messer mit der nun roten Fläche weg, des Bettlaken ist auch hinüber, der Notarzt wird mich vielleicht auslachen. Mit zitternden Fingern rufe ich ihn trotzdem. Mein Kalenderspruchgehirn läuft auf einmal wieder hervorragend. Wer Schmetterlinge lachen hört, wer weiß, wie Wolken schmecken. Sie schmecken nach Blut. Hoffentlich überlebe ich

Kalenderspruchbein

Ich setze das Messer an. Die weiße Schneidefläche ist makellos, sie ist ganz neu, fast unschuldig, so, wie es sich für diesen Anlass gehört. Besondere Anlässe erfordern besondere Maßnahmen, ich denke wohl nur noch in Kalendersprüchen, träume nicht dein Leben, lebe deinen Traum. Mit einem neuen Messer.

Ich setze an. Die Haut gehorcht, die weiße Schneidefläche wird rot, sie gleitet einfach hindurch. Ich wusste nicht, dass es so einfach geht.  Am Knochen stoppt das Messer und mir wird etwas schlecht, langsam tut es weh, dieses aufgeschnittene, aber nicht abgeschnittene Bein. Es ist immer noch Lockdown, in meinem Knie ist Wasser, es singt ein deprimierendes, blubberndes Scheißlied, ich wollte es nach Wochen einfach nur loswerden. Doch nicht einmal das klappt. Ich lege das Messer mit der nun roten Fläche weg, des Bettlaken ist auch hinüber, der Notarzt wird mich vielleicht auslachen. Mit zitternden Fingern rufe ich ihn trotzdem. Mein Kalenderspruchgehirn läuft auf einmal wieder hervorragend. Wer Schmetterlinge lachen hört, wer weiß, wie Wolken schmecken. Sie schmecken nach Blut. Hoffentlich überlebe ich

Novij God

Der Boden vibriert musikumwoben. Ich sitze mit angezogenen Knien herum, spüre die Chipsüberreste, die leichte Feuchtigkeit des angeblich aufgewischten Proseccos, meine Gedanken verlieren sich im leichten Biernebel, es läuft Neunziger-Pop, eine helle Frauenstimme im Refrain, ein sinnloser Rap, um die Strophen zu füllen. Trotzdem liebe ich diese Musik, sie war der Soundtrack der Gesangsübungen vor dem Spiegel, der Traumgeschmack der Mini Playback-Show, durch die Zauberkugel, Glitzer und fremde Welt, mit der Bravo-Hits im Discman und Bonbonarmband am Handgelenk. Jemand tippt mich an, setzt sich auf den feuchten Chipsproseccoboden, brüllt mir ungefragt Fakten über sich selbst in mein strapaziertes Ohr. Freelancer, lallt er, Werbeagenturen, besoffski, hihihi. Ich nicke mechanisch, aber meine Gedanken sind wie bei der Mini Playback Show, ab durch die Zauberkugel. Guten Rutsch.

Früher war der Silvesterabend besonders. Schon morgens spürte ich als Kind, dass Aberglaube und gute Zeichen in der Luft lagen, eine große Verheißung, ein neues Jahr, welches zart anklopfte. In der kleinen Wohnung stand der geschmückte Baum erst kurz vorher, er staubte nicht eine ganze Adventszeit herum, weil diese Zeit nicht existierte. Es gab das beginnende neue Jahr, an dem ich lange aufbleiben durfte. Väterchen Frost im roten Kostüm mit Bommelmütze, seine Enkelin, das Schneemädchen im türkis-weißen Kleid und glitzernd-filigraner Haarkrone kamen vorbei, zwei Wesen, fast nicht von dieser Welt, die Winterruhe und die schneeweiße Verheißung des bald beginnenden neuen Jahres. Ich sagte bestimmt Gedichte auf und bestaunte das Schneemädchengewand, weil ich damals überzeugt war, dass es diese Wunder wirklich gab, sie in einem verschneiten Wald wohnten, schwarzen Tee tranken und Geschenke sortierten. Meine Geschenke waren Bärenkuscheltiere und ein ferngesteuertes Auto, welches ich später als Grobmotorikerin mit tausend Krachunfällen in alle Ecken der kleinen Wohnung fahren ließ. Aber zum neuen Jahr war das komplett egal, die zauberische Verheißung schwebte herum, wie Väterchen Frost, der eigentlich Onkel Fedja aus dem Haus gegenüber war.

Früher war der Silvesterabend besonders. Meine Mutter kochte kiloweise Essen, damit man schon von den Vorspeisen satt wurde, bevor es überhaupt Hauptgericht und Kuchen gab. Der Tisch war ein Meer aus Herzhaftigkeit, auf geblümten Goldrandtellern türmten sich russischer Kartoffelsalat, tausend Häppchen, Salzgurken und Hering im Rote Bete-Mantel, den ich nie mochte, aber trotzdem aß, um mit hinterher roten Fingern auf der kleinen Fernbedienung herumzudrücken. Die Erwachsenen tranken Kurze und sangen bei den Musikclips mit, die an diesem Abend besonders ausgewählt waren.

Sogar das russische Fernsehprogramm war besonders, alle diese Nataschas, Olgas und Dimas, die über Liebe und Eifersucht sangen, sie hatten besonders glitzernde, Hemden und goldene, kurze Kleider, sehr fein gelegte Lockenwicklerlocken, sehr gute eingängige Melodien, die während des neues Jahres Ohrwürmer blieben, immer und immer wieder. Die Lieder waren melancholiegetränkte gelbe Tulpen, grüne Wälder und frühlingshafte Mädchengeburtstage in purer Nostalgie. Manchmal tanzte ich mit einem Haarbürstenmikrofon vor dem Fernseher, bis Mama mich um kurz vor Mitternacht unterbrach, um die Ansprache des Präsidenten zu hören. Alle bei uns trinkenden Onkel und Tanten, die man so nannte, weil sie Freunde meiner Eltern waren, sie versammelten sich vor dem Fernseher, hörten die schmalzige Rede, schauten das Feuerwerk in der Übertragung an. Kurz nach zwölf, wenn das frische Jahr begann, brachte man mich ins Bett, ich war müde, geschenkberauscht und vollgefressen, vergaß aber niemals, meinem imaginären Thomas Anders „Gute Nacht“ zu sagen, denn neben allen Nataschas, Olgas und Dimas war ich überzeugt, dass Thomas Anders mein Lieblingsmensch war und er mich ganz irgendwann heiraten würde, ich zöge dann mit ihm nach Deutschland, um in seinem Cadillac herumzufahren und Eis zu essen. Natürlich wünschte ich ihm auch ein gutes neues Jahr, er brauchte schließlich viel Kraft, um mich im fernen Leningrad zu finden.

Am nächsten Morgen lag meistens Schnee, wir aßen Heringsreste und telefonierten den ganzen Tag mit Babuschkas oder Tanten, um alle zu diesem neuen Jahr zu beglückwünschen, welches noch so frisch, neu und hoffnungsvoll war, draußen lag Schnee und unser Hochhausort sah irgendwie frischer aus, ein neues Kapitel in einem neuen Buch. S novim godom. Frohes neues Jahr!

„Frohes Neues“, brüllt der Freelancertyp in mein Ohr. Die russische Erinnerungsdecke gleitet davon, ich sitze immer noch auf dem Chipsproseccoboden, starre Löcher in die verrauchte Luft, um mich herum liegen sich alle in den verschwitzten Trashpoptanzarmen, der Typ fragt, ob alles OK sei. „Früher war mehr Hering“, denke ich, entfliehe der obligatorischen Umarmung, stehe endlich auf, obwohl alles eingeschlafen und festgeklebt ist. und verlasse die Wohnung. Draußen ist kein Schnee, aber fast weiß schimmernder Wind.

Am letzten Dezembertag kaufe ich mir diesmal eine russische Telebox, bestelle Teigtaschen und tanze alleine. Dann löst sich die warme Nostalgie nicht in Chipsprosecco auf.  S novim godom!

Die Maske macht uns gleich

Match. Ich starre auf mein Display, die Zeit stoppt, zieht sich, ich starre so sehr, dass ich meine eigene Nase in der Spiegelung sehe. Die Frau hat grüne Augen und rote Haare, sie lächelt unbeschwert und ihre Locken wehen im Wind vor einem blauen Himmel. Sie wirkt, als könnte nichts sie aus der Fassung bringen. Als würde sie auch im Lockdown in Parks herumschweben, mit einem Pappbecherkaffee in der Hand und diesem leichten geradezähnigen Lächeln auf den Lippen, weil nichts es erschüttern kann.

Mein Brustkorb kribbelt. Ich bin unsicher, dabei habe ich diese Datingmisere selbst begonnen. Der Lockdown erschien mir, abgesehen von seiner allgemeinen Scheißigkeit, günstig. Abstandsspaziergänge konnte ich gut. Maskenlächeln auch, die jahrelange Erfahrung machte die Augenfältchen fast perfekt, ich sah fast verschmitzt aus, sehr freundlich und vielleicht charmant.

Vielleicht war es nicht die beste Idee, flüsterten die Knötchen in meiner Lunge, die personifizierte Risikogruppe zu sein brachte schon Ängste mit sich, aber andererseits hatte ich diese kleinen Klumpen schon zwei Jahre überlebt. Nun waren alle Menschen gleich, mit warmen Nasen im Winter und dem eigenen Maskenatem. Niemand würde mich auf der Straße ansprechen. Die rothaarige Frau wird mir bestimmt nicht auf die Pelle rücken, es ist nun Corona-Time, mein Leben teilen nun quasi alle, Abstand, Maske, Desinfektion.

Ich beruhige mich, fange an zu tippen, schreibe ihr etwas Belangloses, dass ich gerne lese und Katzen mag, wahrscheinlich hält sie mich für einen nerdigen Spinner ohne Freunde. Ich verliere mich wieder in Gedanken, checke die Nachrichtenseiten, gebe mein Alter und den Lungenknotenquatsch erneut in den Impfrechner ein, vielleicht bin ich bald dran, vielleicht auch nicht. Alles ist ungewiss, aber das war mein Leben schon vorher, zwischen den Hustenanfällen, Kontrollterminen und den Blicken, als die Masken draußen noch nicht pandemiebedingte Pflicht waren.

Das Handy vibriert. Sie hat tatsächlich geantwortet und ein Video geschickt. Eine Katze isst hingebungsvoll Eis aus einem Becher, unter ihren Öhrchen ist sie ein bisschen nackt, sie sieht wie ein Alien mit Riesenaugen aus, etwas überzüchtet, aber immerhin. Die blöden Klumpen haben mir eine Katzenhaarallergie erspart. Die rotlockige Frau möchte spontan in den Park gehen, mein Herz setzt kurz aus, aber draußen ist strahlender Sonnenschein. Wir müssen ja nicht knutschen. Die Maske macht uns gleich.

Zwei Stunden später knete ich meine Finger am Parkeingang. Niemand drängelt sich an mir vorbei, so eine Pandemie hat durchaus ihre Vorteile, ich habe draußen weniger Angst, dass jemand mich anniest.

Sie kommt auf mich zu und lächelt schon. An einer schwarzen Leine läuft diese seltsame Alienkatze vor ihr. „Hi,“ sagt sie, „Sorry, habe Dr. Strange mitgebracht, ihm fällt auch die Decke auf den Kopf.“ Ich muss kurz grinsen, weil ich noch nie mit einer Katze spazieren war. Wir tauschen normales Geplänkel aus, setzten uns mit Abstand in Bewegung, die Frau lacht immer noch leicht und unbeschwert unter dem blauen Himmel, sie streicht diese Locken aus dem Gesicht und ist überhaupt nicht nervös. Ich grabe im Kopf nach meinen Lieblingsbüchern und fühle mich idiotisch, aber das scheint sie überhaupt nicht zu stören, selbst die alienartige Katze läuft ruhig an der Leine mit.

Auf einmal muss ich krass husten. Danke, Klumpenfreunde, perfekter Zeitpunkt. Ich renne zum nächsten Gebüsch und würge fast mein Gehirn aus. Als ich zurückkomme, runzelt sie die Stirn. „Alles OK, flüstere ich, „Sarkoidose is calling“. Ich ertappe mich dabei, dass der Satz einfach total dumm klingt. Sie lächelt: „Ach, Sarkoidose, das habe ich bei Dr. House gesehen, dann rennst Du schon länger mit der Maske herum.“ Ich bin fassungslos. Sie lässt sich weiter nicht beirren: „Bis zu Deiner Impfung müssen wir uns halt Abstandsküsse zuwerfen. Das ist OK.“ Ich versuche immer noch, etwas zu sagen, aber ich bin erstarrt. Abstandsküsse, also. Einfach so. Ich muss nichts erklären, mich nicht rechtfertigen. Ein neues Gefühl. Die Maske macht uns gleich. Sie wird ungeduldig und die Katze miaut leise. Die Sonne wirft ihr Licht auf uns, ich sehe Schatten. Ich, sie und Katzenohren. Alles wird gut